„Das Innen muss nach außen“

Wenn ein knappes Dutzend Künstler der bildhaft darstellenden Kunst sich einen Raum teilt, um gemeinsam ihre Werke zu präsentieren, mag man – über spezielle Themen einzelner Ausstellungszyklen hinweg – nach der Gemeinsamkeit suchen. Und könnte fast wie automatisch und selbstverständlich auf den Wortwitz verfallen, in der individuell-profilierten differenten Charakteristik jeder einzelnen Person läge das Verbindende. 

Jaaaa, aber so ganz trifft es nicht, gleichwohl es auch nicht falsch ist. 

Da liegt nahe, nach einem „common spirit“ zu forschen, der Gemeinsamkeit im Kopf, in den Emotionen, den „Befindlichkeiten“. Und siehe, man wird fündig. Wer sich in die Gemeinschaft dieses KünstlerPacks (danke, Leute, für so viel Selbstironie) einfügt, hat den Mut, seine Seele zu öffnen, ohne sich emotional anzubiedern. Im Gegenteil. Zwischen dem „ich male, was ich fühle“ und dem distanziert-bannhaften Voyeurismus möglicher Betrachter steht so viel autokratisches Kunst-Selbstbewusstsein, dass Form und Distanz gewahrt werden. 

Eine Galerie, ein Showroom, ein in üblichem Neutralweiß gehaltener statischer, ambitioniert behängter Raum, der wie ein kleines Museum wirkt, weil hier die Verschiedenartigkeit mit Lust und Elan optisch ausgelebt wird. Hier sind stilles Betrachten und engagierte Gespräche, meditatives Konsumieren opulenter visueller Anregungen ebenso zuhause wie Dialoge und Diskussionen.

Das Ganze ist ein Kaleidoskop, das wöchentlich geschüttelt wird. Fortwährend hängen neue, andere Bilder, ergeben sich andere Reihenfolgen und damit neue Zusammenhänge. Die einzelnen Künstler experimentieren mit sich, mit den Werkzeugen und Stilen, mit den Reaktionen. Es ist immer alles im Fluss – und dennoch über die Jahre erstaunlich zielstrebig stetig. 

Hier ist, formal gesehen, Malerei und visuelle Kunst ausgestellt. Doch eigentlich und in der Wirkung, also der Wirklichkeit und Wirksamkeit zugleich, sind all die optischen Präsentationen nichts anderes als mentale Eintrittstüren in eine Welt der unaussprechbaren, weil weit über Worte hinausgehenden Kommunikation auf emotions-sensorischer Ebene zwischen dem Ich und Du, dem Innen und Außen, dem Flüchtigen und Ewigen, der Provokation und der Versöhnung. 

Eine Farben-Formen-Flächen-Sauna: heißem folgt kaltes, der Verunsicherung oder Aufstachelung die Beruhigung. Und, wenn man genau hinschaut, wechseln sich vor allem Leichtigkeit und Bedeutungsschwere ab. 

Nur eins bleibt: Hier wird Kunst ernst genommen. Weshalb das Ganze eine heitere Gelassenheit ausstrahlt. 

Schorsch Wenke